Ein Paralleluniversum

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​Hier auf Penang geht es manchmal chinesischer zu als in China. Penang ist eine kleine, aber feine Insel zwischen dem malayischen Festland und Sumatra. Die chinesische Gemeinde hier ist sehr groß, es ist also der ideale Ort für das chinesische Neujahr. Das chinesische Neujahr, das muss ich jetzt ganz kurz erklären, ist ein Datum irgendwann im Frühjahr. Natürlich nicht irgendwann, aber die Einarbeitung in den chinesischen Lunisolarkalender war mir zu kompliziert. Ähnlich wie bei uns gibt es auch hier zwölf Tierkreiszeichen, allerdings immer nur eins pro Jahr. Alle zwölf Jahre beginnt der Zyklus von Neuem. Das Jahr des Affen geht zu Ende und das Jahr des Hahns beginnt. Über Neujahr fahren die meisten Chinesen zu ihrer Familie und so wirkt Penang an einigen Stellen wie ausgestorben. Die Feierlichkeiten beginnen je nachdem wen man fragt entweder am Freitag oder aber am Samstag. Über der Stadt verteilt gibt es immer wieder Feuerwerke. Im neuen Jahr des Hahns ziehen sogenannte Löwentänzer durch die Straßen und beschallen die Umgebung mit Trommeln und Schellen. Einige steigen in ein Löwenkostüm, ziehen durch die Geschäfte und verteilen Mandarinen. Der Höhepunkt ist immer die Böllergirlande, die einmal aufgehängt und angezündet nicht mehr zu stoppen ist. Es ist unvorstellbar laut, knallt sehr lang und versprüht die Überreste in alle Himmelsrichtungen. Wer im Weg sitzt oder sein Essen nicht beschützt, ist selber Schuld.

Diese Prozedur dient unter anderem dazu böse Geister zu vertreiben. Anders als daheim ziehen sich die sporadischen Knallereien aber bis zu zwei Wochen hin.

Nachdem wir den Penang Hill besucht hatten, haben wir noch einen Abstecher zum Tempel Kek Lok Si unternommen, der für die Feierlichkeiten nachts in allen Farben erleuchtet. Gerüchten zufolge ist es das letzte Jahr mit Illumination. Das neue Jahr beginnt also glücklich.

Kek Lok Si ist im Grunde der chinesischste Tempel, der uns auf der ganzen Reise begegnet ist, nicht einmal in China haben wir derartiges entdeckt. Der Tempel ist wie ein Labyrinth und dafür, dass es beinahe Mitternacht ist auch sehr gut gefüllt. Durch die Beleuchtung sieht es um einiges verschlungener aus als es vermutlich bei Tageslicht sein würde. Unser Reiseführer, der Lonely Planet, schreibt folgendes dazu: Eine Gondelbahn führt nach ganz oben, wo eine furchterregende 36.5 m hohe Statue der Muttergöttin wacht.

Wir haben ein Parralleluniversum betreten, ein Tor nach China geöffnet in eine bunte, fernöstliche Welt, die über Neujahr noch verrückter wird. Und wie mit allem chinesischen auch liebenswürdiger.


Kek Lok Si, bunter als ein Farbkasten.


Ein Löwentänzer.